Fremdes zu PISA

Ein sehr interessanter Artikel zum Thema PISA, der hinterfragt, warum eine Wirtschaftsvereinigung sich permanent in Bildungsfragen einmischt und warum man darüber eigentlich nicht sonderlich glücklich sein kann:


PISA-STUDIEBildung im post-gebildeten Zeitalter

Kolumne: Grauzone. Früher wurde Bildung als Weg zur Selbstfindung verstanden. Ziel der Weltanschauungskrieger von OECD, IEA und der Bertelsmann-Stiftung ist jedoch die Heranzüchtung konformer Generationen

Der moderne Mensch des Post-Bildungs-Zeitalters darf kein eigenständiges Subjekt sein / picture alliance

AUTORENINFO

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Im Dezember 2014 erschien der von ihm herausgegebene Band „Religion. Facetten eines umstrittenen Begriffs“ bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig.

SO ERREICHEN SIE ALEXANDER GRAU:

Alexander Grau

Diese Woche war es wieder mal so weit. Die OECD veröffentlichte ihre neue PISA-Studie. Und wie bei einem Pawlowschen Reflex wiederholte sich das alte, ermüdende Ritual: so genannte Bildungsexperten, Wirtschaftsvertreter, Politiker und Repräsentanten einschlägiger Verbände riefen den Bildungsnotstand aus und mahnten einmal mehr Bildungsoffensiven an.

In welche Richtung diese Reformen zu gehen haben, ist dabei auch schon klar: mehr Digitalisierung, mehr Ganztagsschulen, mehr frühkindliche „Bildung“, mehr Inklusion, mehr internationale Vergleichbarkeit, mehr internationale Standards – willkommen bei den Ideologen der schönen neuen Bildungswelt.

Mit Bildung hat das alles natürlich rein gar nichts zu tun. Bildung wäre sogar äußerst hinderlich bei dem Ziel, das eigentlich verfolgt wird. Denn nicht der gebildete Mensch soll am Ende dieser Bildungsbemühungen stehen, sondern der konforme, der nivellierte, der international und global verwertbare Mensch. Humboldt würde sich im Grabe umdrehen.

Emanzipation und Selbstbestimmung ausgeschlossen

Die OECD, man verdrängt es hierzulande geradezu systematisch, ist kein Verein feinsinniger Humanisten zum Erhalt abendländischer Bildungstraditionen, sondern die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Nun spricht weder etwas gegen wirtschaftliche Zusammenarbeit noch gegen deren Entwicklung. Problematisch wird es aber dann, wenn diese zum alleinigen Kriterium schulischer Ausbildung gemacht werden und eine Bildungsideologie verbreitet wird, die unter dem Deckmäntelchen von Chancengleichheit und sozialer Mobilität nichts anderes hervorbringt als den für den internationalen Arbeitsmarkt genormten und weltanschaulich angepassten Schulabgänger.

Denn nicht um Emanzipation und Selbstbestimmung des Individuums geht es den Weltanschauungskriegern von IEA (International Association for the Evaluation of Educational Achievement), OECD oder Bertelsmann-Stiftung. Vielmehr sollen Generationen heranerzogen werden, die das billige Versprechen universaler beruflicher Verwertbarkeit als Freiheit fehldeuten und ihre Gefangenschaft in der Logik von Flexibilität und Assessment als Emanzipation.

Kulturell entwurzelte Funktionserfüller

Bildung, die ihren Namen verdient, ist dabei eindeutig hinderlich, denn sie könnte zu falschen Gedanken in den Augen der OECD verführen. Als Bildung noch Bildung war, wurde sie als Weg verstanden, mit dem das Individuum zu sich selbst findet. Der bürgerliche Bildungsroman erzählt davon. Doch genau um dieses freiheitliche und humanistische Ideal geht es den Netzwerkern und Lobbyisten einer angeblichen zeitgemäßen Bildungspolitik mitnichten.

Konsequenterweise wird Bildung uninterpretiert zum beherrschen technischer Fähigkeiten und dem Erwerb nichtiger Kompetenzen. Bildung, die einmal gleichbedeutend mit historischem Wissen war, mit der umfangreichen Kenntnis literarischer, künstlerischer und philosophischer Traditionen, wird als nutzlos, ja schädlich wahrgenommen, weil sie den Menschen eine kulturelle Identität vermittelt, die seiner Verfügbarkeit auf einem globalisierten Markt austauschbarer Arbeitskräfte entgegensteht.

Der moderne Mensch des Post-Bildungs-Zeitalters darf kein eigenständiges Subjekt sein, das um die differenzierende Prägekraft unterschiedlicher Kulturen und Überlieferungen weiß. Gefragt ist vielmehr der historisch und kulturell entwurzelte Funktionserfüller, der kritiklos und begeistert fit ist für den Umgang mit den jeweils neuen Technologien, deren devote Beherrschung als lebenslanges Lernen schöngeredet wird.

Vom Aussterben des Bildungsbürgers

Bildung war einmal eine Waffe, die sich das aufstrebende Bürgertum im Kampf gegen die herrschenden Ideologien seiner Zeit, gegen Klerus und Adel schaffte, weil sie den Geist frei machte und unabhängig, da sie einen kritischen Blick ermöglichte auf das Hier und Jetzt und seine angeblichen Alternativlosigkeiten.

Doch Bildung, das war einmal. Noch leben Menschen – erzogen und groß geworden in einem Schulsystem, das aus Sicht moderner Bildungsideologen rückständig und in jeder Hinsicht verwerflich war – die wirklich über Bildung verfügen.

Das Privileg unserer Generation ist es, dass wir solche Menschen noch kennen lernen durften. Aber selbst das wird bald vorbei sein. Welch ein enormer, welche einer trauriger Verlust. Doch keiner wird gebildet genug sein, um ihn zu bemerken. Auch das ist eine Lösung.

Michael Bahr | Sa, 10. Dezember 2016 – 13:22

Doch kaum jemand in unserer Geselkschaft scheint davon berührt. Alle tragen dieses Denken mit. Selbst unter Lehrern werden PISA usw. nicht in Frage gestellt. An den Schulen herrscht gegenüber den von Grau beschriebenen Entwicklungen bereits weitgehende Konformität. Kompetenzorientierung wird ohne nennenswerte inhaltliche Diskussion umgesetzt. Die ideologischen Krieger haben längst gewonnen. Wohin man auch schaut: in die Medien, in die Politik, in die Wirtschaft – das Geschwafel aus Bertelsmann- und OECD-Kreisen wird als alternativloser Weg angesehen und längst nicht mehr breit in Frage gestellt.

Hanns Baum | Sa, 10. Dezember 2016 – 13:35

Eine Kommentar, der jedem Bildungspolitiker zur Pflicht-Lektüre und Herrn Schleicher wie auch anderen Pisa-Päpsten täglich vorgelesen gehört. Seit den 68-er Jahren wird aus ideologischen Gründen – leider teils mit gründlichem Erfolg-das humanistische Bildungs-Ideal geschleift. Solide Allgemeinbildung wie auch Persönlichkeitsbildung und philosophische Betrachtungsweisen wurden Zug um Zug zugunsten von “Kompetenzen”, von der Fähigkeit sich oder Sachen gut zu verkaufen, dampfzuplaudern bzw. mediengewandt zu sein abgelöst. Entsprechend wurde der Leistungsgedanke daraufhin definiert, wie kompatibel die Kenntnisse der Schulabgänger mit dem Wirtschaftssystem sind.In diesem Gebäude haben dann auch bewährte Methoden wie der lehrerzentrierte Unterricht, das Aneignen historischer Fakten oder literarischer Werke keinen PLatz mehr. Der Lehrer als “Lern-Coach” und der schülerzentrierte Unterricht sollen es richten – gesellchaftstaugliche und-prägende Schüler-Persönlichkeiten werden so zur Rarität

Hanns Baum | Sa, 10. Dezember 2016 – 14:12

In reply tobyHanns Baum

…ergänze nach Pflichtlektüre “gemacht”

Herr Schierling | Sa, 10. Dezember 2016 – 13:40

Ihr Abgesang ist noch viel zu milde formuliert.
In diesem Sinne: Anstatt die wichtigste Funktion des Gedächtnisses zu kultivieren, das Vergessen, wird auf Programmierung gesetzt.
Scheinbar glauben einige, dass mit Aufgeregtheiten und Arbeitsmarktzurichtung irgendein Kind in der Zukunft bestehen kann.
Noch dazu besagte Einige genau zu wissen scheinen, was in der Zukunft wichtig ist.

Isabelle d’Aguerre | Sa, 10. Dezember 2016 – 14:08

Hervorragend Herr Dr. Grau, endlich spricht einer das aus, was ich durch meine Arbeit in internationalen, u. A. auch “humanitären” Organisationen und Firmen beobachten konnte; in einem Unternehmen wurde über mich ausgesagt: “Sie ist hochgebildet”!!!! , als negatives Urteil. Die Sprach-, Geschichts- und Kulturvergessenheit zeigt sich schon grandios beim falschen Anwenden des Vokabels “human” ausgemacht werden: Man ist zu ungebildet, um zwischen “human”, “humanitär” und “humanistisch” zu unterscheiden und vertauscht in symptomatischer “Newspeak”-Manier diese Begriffe, als seien sie Synonyme! Auch wenn es klar ist, dass der “abendländische” Bildungsbürger dem Untergang geweiht ist, und damit der Humanismus als typische Eigenschaft der westlichen Kultur als Weiterentwicklung des antiken/jüdischen Gedankengutes, tut es gut festzustellen, dass man mit dieser Wahrnehmung nicht alleine ist! Danke, Herr Grau!

Robert Polis | Sa, 10. Dezember 2016 – 14:48

Herr Grau,
Sie singen das Hohe Lied der Bildung und bedauern, daß “Bildung, die einmal gleichbedeutend mit historischem Wissen war, mit der umfangreichen Kenntnis literarischer, künstlerischer und philosophischer Traditionen” entschwindet.

Um dieses Entschwinden nicht weiter voranschreiten zu lassen, ist es doch zuallererst erforderlich, sich den elementaren Voraussetzungen dafür zuzuwenden: Lesen, Schreiben, Rechnen. Und wo soll das gelernt /gelehrt werden? Und wurde in den vergangenen Jahr(zehnt)en einmal der Verfall der Grundschul”bildung” auch nur beklagt? Warum wohl nicht? Oder ist das zu schlicht?

Michaela Diederichs | Sa, 10. Dezember 2016 – 14:50

Sie haben es mal wieder treffsicher formuliert. Bei mir ist inzwischen der Eindruck entstanden, dass Eltern ihren Erziehungsauftrag an Krippen, Kindergärten, Schulen abgeben (müssen), um finanziell über die Runden zu kommen oder um ihre Karriere nicht zu gefährden. Für die Chancengleichheit wird alles bereinigt und konform gemacht. Junge Menschen an Mathematik, Physik, Klassiker der Literaturgeschichte, Musik, Theater, Philosophie, Malerei und Religion heranzuführen und dafür zu begeistern, habe ich als meinen Erziehungsauftrag verstanden. Schule kann nicht alles leisten. Dass der Bildungsauftrag um Informatik ergänzt wird, sollte inzwischen selbstverständlich sein. Die Digitalisierung des Klassenzimmers als nötigen oder gar zwingenden Fortschritt zu formulieren, halte ich für einen ganz großen Nonsens. Das Bildungsniveau wird immer weiter abgesenkt, bis man den unkritischen, konsumierenden, beliebig verfügbaren Arbeitnehmer hat. Eigenständiges Denken war gestern.

ingid dietz | Sa, 10. Dezember 2016 – 15:01

föderale Flickenteppich !
Dazu kommt, dass in vielen Bundesländern alle Paar Jahre “das Rad neu erfunden” wird und die Schulen erneut “reformiert” werden !
Zusätzlich Inklusion und Integration !
Das kann auf die Dauer nicht gut gehen !

PS: Bundeswehr und BKA-Bewerber fallen bei Deutsch und Mathe durch ! Jetzt wird sogar über eine Herabsetzung der Bewerbungstest nachgedacht !

Albert Schabert | Sa, 10. Dezember 2016 – 15:12

Vor der Bildung kommt die Erziehung.In Augburg wurde eine Mutter zu 8 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.Die 11 jährige Tochter hatte Unterschiften auf Mathearbeiten gefälscht und ihr war die Hand ausgerutscht.Für mich ist das eine Erziehungsmaßnahme. Wie findet heute die Erziehung der Kinder und Jugendlichen statt?Meiner Meinung nach gar nicht,ich seh es an meinen Enkeln.Wo sollen dann Tugenden wie Fleiß und Ausdauer herkommen? Kann man seinen Kinder noch vertrauen? Wenn der Staat alles übernimmt,haben wir Ihren beschworenen Einheitsbrei.Leute die selbst nicht mehr denken können und obrigkeitsabhängig sind.

Thomas Robert Rausch | Sa, 10. Dezember 2016 – 15:26

Ja der Autor sagt es wie es ist.Mit Bildung hat das alles nichts mehr zu tun. In einer Welt, die sich dem wirtschaftlichen Nutzen Denken ergeben hat, in der sich die Menschen verkaufen und gekauft werden, spielt Bildung nicht nur eine untergeordnete Rolle, sie ist gewissermaßen kontraproduktiv.
Der Mensch verkommen zur Ware, reiht sich ein in eine Produktpalette, für die er sich selbst krumm legt um sie zu kaufen.
Eine psychische Abhängigkeit vom Arbeitsfetisch ist entstanden, im Belohnungssystem konsumieren zu dürfen dann, wenn den Anforderungen, den Erwartungen genüge getan wird. Wer das durchschaut und auch das Durchschaute lebt, darf nicht belohnt werden. Deshalb wird er sanktioniert, ist letztlich gefährlich , unter miniert das Leistungsprinzip den Arbeitsfetisch. Nur ist das System eben am Ende und der Planet stöhnt schwer auf unter den Belastungen des Systems.Wenn echte Bildung als Gefahr gesehen wird, stimmt mit dem System was nicht!

Peter Voit | Sa, 10. Dezember 2016 – 15:42

Ja, die schöne neue Bildungswelt ist so, wie sie Herr Grau beschreibt: “Denn nicht der gebildete Mensch soll am Ende dieser Bildungsbemühungen stehen, sondern der konforme, der nivilierte, der international und global verwertbare Mensch.”
Wie sich die schöne neue Bildungswelt und die weniger neue vor dem Amtsgericht einer Kleinstadt in Schwaben gegenüberstehen, lese ich gerade in einem Zeitungsartikel mit der Überschrift “Haßmail bringt Frau vor Gericht”. Mit Beleidigungen habe eine 47-Jährige aus dem Landkreis auf einen Aufruf der Stadt reagiert, die freiwillige Helfer für die Asylarbeit suchte. “Gehirnamputierte Lebewesen” war eine der Formulierungen, die in einer Mail an die Sachbearbeiterin der Stadt gingen. Eine Beleidigung, ohne Zweifel. Ihr sei – aus bestimmten Gründen – der Kragen geplatzt. Dagegen nun das Plädoyer des Staatsanwalts, so eine Art Vertreter der neuen schönen Bildungswelt: “Mir wiird schlecht bei Leuten wie Ihnen, die Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhaß schüren.”

Christa Wallau | Sa, 10. Dezember 2016 – 15:43

So sieht es aus, g e n a u so, lieber Herr Grau.
Eine einzige Schande!
Wer den Niedergang des deutschen Bildungswesens hautnah miterlebt hat – so wie mein Mann und ich -, der weiß, wovon Sie reden.
Der letzte Abschnitt Ihres Artikels ist derart trostlos
wahr, daß einem das Herz im Leibe gefrieren könnte, wenn nicht natürliche Reflexe das verhinderten. Die Willfährigkeit deutscher sogenannter Bildungspolitiker und Pädagogikprofessoren, unreflektiert den Vorgaben der OECD zu folgen, kann man nur als erbärmlich bezeichnen. In D wurde ein Bildungssystem, um das uns viele Länder beneideten (z. B. England) zu Tode reformiert. Die Folgen sieht man bei jungen Leuten allenthalben: kein gemeinsamer Bildungskanon mehr, mangelhafte Grundkenntnisse, karriere-ausgerichtetes Denken, unkritischer Umgang mit den Medien usw.
“Kulturell entwurzelte Funktionserfüller” – diese Beschreibung trifft auf die meisten heutigen Abgänger von Schulen u. Unis zu.
S O will sie die globale Wirtschaft haben!!!

Robert Müller | Sa, 10. Dezember 2016 – 16:04

Sie wünschen sich den Bildungsbürger, wogegen wenig zu sagen ist, wenn das auf bestimmte Studiengänge beschränkt wäre. Ich dagegen habe ein Ingenieurstudium und mehr humanistische Bildung wäre da kein Gewinn. Ich hatte mein Vorlesungsverzeichnis mit dem einer US-Hochschule verglichen und daraufhin war mir klar warum DE in dieser Wirtschaftsbranche international abgehängt ist. Meiner Ansicht nach war das Problem in meinem Studium, dass die Fächer nicht genug auf das Thema zugeschnitten, sondern zu breit aufgestellt waren. In der Naturwissenschaft gibt es keine Universalgelehrten mehr, nur noch Experten. In der Ausbildung sollte man diesen Weg auch gehen. Das wird für Geisteswissenschaftler anders sein, zumindest da wo es kein festes Berufsbild gibt. Ausnahmen wären z.B. Juristen und BWler.

H. Joachim Luig | Sa, 10. Dezember 2016 – 16:42

Ein Großteil der gelesenen Kommentare aus der Online-Medien-Landschaft macht mich jetzt schon glauben, daß die erste Generation schon erfolgreich installiert wurde. Soviel Affirmation und Unreflektiertheit auf den Alltag des eigenen Tuns und Lassens, wie in den letzte zwei Jahren sind mir leserkommentarseits schon fast
unheimlich. Mehr als das Denken in gewohnten Bahnen ist vielen kaum bis gar nicht mehr möglich. Man wägt sich wohl im sicheren Fahrwasser. Die nächste Konjunkturflaute wird wohl manchen in einen üblen Alptraum schicken.

Yvonne Walden | Sa, 10. Dezember 2016 – 17:03

Der Pulitzer-Preisträger David Cay Johnston, Verfasser der Biografie “Die Akte Trump”, erklärte in einem Interview mit der “Nordwest-Zeitung” (Oldenburg, 22.11.2016), die Bildung in den USA sei im 19. Jahrhundert stecken geblieben. Für 15 Prozent der jungen Leute ist die Ausbildung hervorragend. Die übrigen 85 Prozent werden nicht zum kritischen Denken erzogen. Das sei ein Desaster. Die allermeisten Menschen in den USA würden deshalb nicht verstehen, warum es in ihrem Leben bergab gehe, trotz des immensen Wohlstands um sie herum.
Eine solche Entwicklung vollzieht sich in Deutschland, in Europa und vermutlich weltweit.
Dies alles wird von finanzmächtigen Institutionen (Think-Tanks) gesteuert, die mit aller Kraft versuchen, das kapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu verteidigen.
Nicht selten werden Systemabweichler mit hohen Geldzuwendungen dazu gebracht, “ihre Meinung zu ändern”, damit eine Multiplikator-Wirkung verhindert wird.
Und das soll Demokratie sein?

Günter K. Schlamp | Sa, 10. Dezember 2016 – 17:27

Seit 40 Jahren kommen die OECD-Forscher*Innen zum selben Ergebnis: Deutsches Schulwesen mangelhaft!
Man wundert sich, dass die deutsche Wirtschaft in dieser Zeit nicht kollabiert ist.

Wenn erst einmal, wie in Frankreich, 80% der Schüler studieren und auch Krankenschwestern, Pferdewirte und Forstgehilfen an Universitäten ausgebildet werden, schließt die Bundesrepublik zu den angeblich führenden Bildungsstaaten auf.

Dabei war von Anfang an klar, dass die aufeinanderfolgenden Tests kaum vergleichbar sind. (Jedes Mal andere Inhalte, 2015: alles musste am Computer erledigt werden, französ. Schüler werden ein Jahr früher eingeschult und vor allem: Jedes Mal andere Schüler!

Warum wir da immer noch mitmachen, aber schon immer gesagt wurde, dass die Daten keine Hilfe für Reformen sind, verstehe ich nicht.

Doch, eigentlich schon: die “PISA-Industrie” ist das Brot für viele, viele Doktoranden, Assistenten, Professoren und weiteres Personal in den Instituten und Hochschulen.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Inhalt begrenzt auf 1000 Zeichen. 1000 verbleibend

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Für die Prüfung der Kommentare ist unsere kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr für Sie da. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Wir danken für Ihr Verständnis.

chevron_left