Österreichs teures Bildungssystem

Immer wieder muss man in Diskussionen hören oder lesen, dass Österreichs Bildungssystem im internationalen Vergleich betrachtet wahnsinnig teuer ist, “die Lehrer” (wer auch immer das sein mag) überbezahlt sind und für den enormen eingesetzten Geldbetrag schlechte Ergebnisse “produziert” (wie wenn man Bildung produzieren könnte…) würden.

Wie sieht die Sache wirklich aus? Betrachten wir einfach ein paar Zahlen:

Welchen Anteil ihres BIP investieren OECD-Mitgliedsstaaten 2011 in ihr Schulwesen?

Norwegen: 4,9 %
Island: 4,9 %
Dänemark: 4,4 %
Finnland: 4,1 %
OECD-Mittelwert: 3,9 %
Schweden: 3,9 %
Österreich: 3,6 %

Quelle: OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2014 – OECD Indicators (2014), Chart B2.2.

Oder: Die öffentlichen Ausgaben für das Bildungswesen als Anteil aller öffentlichen Ausgaben:

(Stand 2011):

Südkorea: 16,5 %
Schweiz: 15,7 %
USA: 13,6 %
Kanada: 13,3 %
OECD-Mittelwert: 12,9 %
Österreich: 11,4 %
Deutschland: 11,0 %

Quelle: OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2014 – OECD Indicators (2014), Table B4.2.

(Stand 2013):

Schweiz: 17,8 %
Südkorea: 16,3 %
USA: 16,0 %
Australien: 14,4 %
OECD-Mittelwert: 12,5 %
Österreich: 9,8 %
Deutschland: 9,7 %

Quelle: OECD (Hrsg.), Government at a Glance 2015 (2015), S. 73

Auch das BIFIE gibt im “Nationalen Bildungsbericht Österreich 2015” seine Expertise zu diesem Thema ab:

“Im Zeitvergleich sind die Ausgaben seit den 1990er Jahren schwächer gewachsen als im OECD-Raum: Lag Österreich beim Anteil der Bildungsausgaben für die Primar- und Sekundarstufe am BIP 1995 noch auf Rang 6 von 32 Ländern, ist es bis 2008 vom Spitzenfeld unter den Durchschnitt (Rang 22 von 32) gesunken und blieb seitdem dort.”

“Im Hinblick auf den Anteil an den gesamten Staatsausgabenwirken Österreichs Ausgaben relativ zu anderen Ländern sehr gering. Für den Primar- und Sekundarbereich zusammen gibt Österreich 6,1 % der Staatsausgaben aus, das ist der viertniedrigste Wert aller OECD-Länder. … Österreich hat sehr hohe öffentliche Ausgaben; innerhalb der öffentlichen Ausgaben hat Bildung aber, verglichen mit anderen Ländern, einen relativ niedrigen Stellenwert. Im Vergleich zum Reichtum wie auch zur gesamten Politik hat die (Pflicht-)Schule vergleichsweise keine so deutliche Priorität.”

Quelle: BIFIE (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015, Band 2 (2016), S. 325

 

Es scheint dem Staat also egal zu sein, dass wir einmal nicht vom Ausbeuten unserer Rohstoffe werden leben können und unsere einzige Chance, den gewohnten Lebensstandard in den nächsten Jahrzehnten halbwegs zu behalten, die Bildung ist. Die Ausgaben werden laufend zurückgefahren und nun kommt auch noch der Rechnungshof und straft vor aller Augen das Ministerium für Bildung und Frauen bloß, das stets behauptet hat, mit dem neuen Lehrerdienstrecht eine Attraktivierung des Lehrerberufs anzustreben. Die gewählten Mittel wie die Erhöhung der Lehrverpflichtung, das Aufheben der unterschiedlichen Wertigkeiten der Fächer (ja, eine Stunde Deutsch ist dann gleich viel “wert” wie eine Stunde Geschichte) und das Absenken der Lebensverdienstsumme um bis zu mehrere hundertausend Euro waren wohl etwas sonderbar gewählt. Doch zurück zum Rechnungshof:

“Bei einem Start des neuen Dienstrechts schon mit dem Schuljahr 2015/16 hätte man bis 2060 2,19 Milliarden Euro einsparen können. Wegen der Übergangsfrist sei nun allerdings nur mit Einsparungen von 1,12 Milliarden Euro zu rechnen.” (Quelle)

Es war also auch das neue Dienstrecht ein reines Sparpaket – was von Anfang an zu erkennen war. Jetzt ist es nur offiziell geworden.

Das heißt also: Österreichs Bildungssystem ist im internationalen Vergleich keineswegs überteuert und die Bildungsausgaben werden seit Jahren reduziert, gekürzt wird an der AHS, wo es nur irgendwie geht.

Ach ja, und noch zu den teuren Lehrern:
Gehalt von Lehrkräften der Sekundarstufe I nach 15 Unterrichtsjahren für 60 Minuten Unterricht (in Promille des BIP/Einwohner; Stand 2013):

Südkorea: 3,06
Japan: 2,41
Deutschland: 2,24
Kanada: 2,25
Niederlande: 2,08
Polen: 2,04
Finnland: 1,95
Österreich: 1,76

Quelle: OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2015: OECD Indicators (2015), Table D4.2.+Table X2.2.+ Table X2.4a.

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/banknoten-geld-euro-hintergrund-496229/, 22. 10. 2016
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