Silvesterdeppen

Die Silvesternacht ist jedes Jahr ein schöner Anlass, sich über die Silvesterdeppen zu ärgern. Das sind jene Menschen, deren größte Freude es ist, in verbautem Gebiet ab allerspätestens 17:00 Uhr im Minutentakt Raketen abzuschießen und so aller Welt mitzuteilen, dass sie nicht in der Lage sind, die korrekte Uhrzeit abzulesen. Abgesehen davon, dass sämtliche Tiere an diesem Tag wohl die ärmsten Kreaturen überhaupt sind, zerstören sie mit ihrem Dauerfeuer den Moment, den ich in meiner Kindheit und früher Jugend noch als sehr schön in Erinnerung habe:

Die Silvesternacht war eine der stillsten Zeiten im gesamten Jahreskreis. Und pünktlich um Mitternacht wurde dann die Stille weggewischt, überall stiegen Raketen auf und erfüllten den dunklen Nachthimmel mit prächtigen Farben – das neue Jahr wurde begrüßt. Eine halbe Stunde später war das Spektakel vorbei, es kehrte Ruhe ein und man ging entweder ins Bett (Kindheit) oder kehrte zurück zu Gespräch und Unterhaltung mit Freunden (Jugend). Das gibt es so heute nicht mehr, weil den Silvesterdeppen Gespür und Gefühl für die Ruhe und ihre Notwendigkeit fehlen. Auch ein gewisses Zeichen des Egoismus und dem Auseinanderfallen von Gemeinschaften. Hauptsache ich.

Die zweite Gattung der Silvesterdeppen sind Jugendliche, deren größter Spaß es ist, illegale Knaller zu werfen. Am besten direkt vor die Füße von fremden Passanten. Weil es so schön ist, wenn diese erschrecken. In diesen Situationen überkommt mich dann regelmäßig große Lust, so einen Kracher rasch aufzuheben und dem Werfer mit der Bemerkung “Du hast was verloren” in die Hand zu drücken… Vielleicht wäre das eine ganz eindrucksvolle Lektion in Sachen Rücksichtnahme, Respekt und angemessenen Verhalten. Aber nein, sowas geht natürlich nicht. 

Man entkommt den Deppen einfach nicht. Es gibt einfach zu viele. 

 

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